Übungsfirmen

Neuer Lehrplan stärkt das Profilfach der Wirtschaftsschulen

Die Wirtschaftsschulen vermitteln ihren Schülerinnen und Schülern neben der Theorie erste berufliche Praxis. Der „Ausbildungsbetrieb“ der Wirtschaftsschulen ist das Übungsunternehmen. Dieses Fach gibt es nur an Wirtschaftsschulen. Mit Einführung des neuen Lehrplans hat es als das „Profilfach“ noch einmal an Bedeutung gewonnen: Vier statt bisher drei Stunden pro Woche „arbeiten“ unsere Schüler in ihrem Übungsunternehmen. Ab sofort sind auch die Kompetenzen des Faches Informationsverarbeitung hier integriert. Das Profilfach, bisher ein Wahlpflichtfach, ist nunmehr für alle Schüler verpflichtend. In der 10ten Klasse können sie entscheiden, ob sie im Fach Übungsunternehmen auch eine Abschlussprüfung ablegen (Alternative: Mathematik).

In einem Übungsunternehmen wird gearbeitet, die Atmosphäre entspricht der eines Unternehmens und nicht der eines Klassenraums. Die Schüler identifizieren sich als Mitarbeiter ihres Unternehmens.

 

Allen Mitarbeitern steht eine spezielle Software, das Übungsunternehmen-Portal, zur Verfügung. Es wurde eigens für die schülergerechte Arbeit programmiert. An jedem Arbeitsplatz mit Internetanschluss können sämtliche Arbeiten im Ein- und Verkaufsbereich, im Rechnungswesen und in der Lohn- und Gehaltsbuchhaltung erledigt werden. Die Zahlungsströme werden über die Euro-Bank erfasst und online mit modernsten Sicherheitsstandards (e-tan) abgewickelt.

In den Übungsunternehmen werden laut Lehrplan u. A. die folgenden Kompetenzen geschult:

Die Schülerinnen und Schüler ...

· erstellen selbständig auf den Kunden abgestimmte Angebote im Rahmen des eigenen Entscheidungsspielraums.

· prüfen eingehende Bestellungen auf Übereinstimmung mit dem aktuellen Sortiment und den Konditionen des eigenen Unternehmens. Bei Unstimmigkeiten nehmen sie mithilfe eines geeigneten Kommunikationsmittels Kontakt mit dem Kunden auf und klären den Sachverhalt.

· führen im Rahmen ihres Entscheidungsspielraums Preisverhandlungen mit Kunden, wobei sie im Interesse ihres Unternehmens argumentieren und vorgegebene Preisspielräume beachten.

· reflektieren ihr eigenes Verhalten und ziehen daraus Schlussfolgerungen für ihren künftigen Umgang mit Kunden.

·

 

Auf diese Weise lernen unsere Schüler sowohl das Arbeiten im Team als auch das selbstständige Finden und Verarbeiten von Informationen. Von Anfang an übernehmen sie die Verantwortung für ihr Handeln. Jeder unserer „Angestellten“ erhält laufend Feedback von seinen Kunden (= den anderen Übungsunternehmen), von seinen Kollegen/innen (= den Mitschülern) und von seiner Geschäftsleitung
(= seinem Lehrer).

Sinn und Zweck der Arbeit unserer Schüler in ihrem Übungsunternehmen ist es, den erfolgreichen Übergang der Jugendlichen in die Arbeitswelt vorzubereiten. Hier begreifen sie, wozu sie das in den Theoriefächern gelernte Wissen und Können brauchen. Schwächere Schüler haben die Zeit, z. B. in der Rechnungswesen-Abteilung, den Stoff des vorherigen Jahrgangs anwendend zu wiederholen und möglicherweise vorhandene Lücken zu schließen. Gute Schüler können in diesem Fach erste Führungsverantwortung sammeln, indem sie andere beim Einstieg in eine neue Abteilung unterstützen und fördern. Zusätzlich bietet das Kennenlernen verschiedener Stellen unseren Schülern die Möglichkeit, die eigenen Begabungen und Interessen zu erkunden.

Franz Braun, Leiter der Übungsfirmenarbeit an der W.i.R